Chronik: Kriegsende – Zeitzeugen berichten

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Der Obsteiger Dorfchronist Hubert Stecher stellt Beiträge über unseren Heimatort Obsteig auf ObsteigAktuell für alle Interessierten ins Netz.

Das Kriegsende in Obsteig – Zeitzeugen

 

Das Kriegsende in Obsteig – Mai 1945 – Zeitzeugen berichten.

(Es ist immer erfreulich, wenn Leute auf einen Artikel reagieren und durch ihre Stellungnahmen oder Erzählungen dem Autor weitere Informationen zukommen lassen. Ich danke sehr herzlich dafür.)
So bekam ich zum „Kriegsende in Obsteig“ von zwei Zeitzeugen, die das Geschehen als Kinder unmittelbar miterleben mussten, folgende Erlebnisse mitgeteilt:

1., 2. und 3. Mai 1945:
Die Geschütze der Amerikaner reichten nicht nur bis zum Marienberg bzw. auf die Arzberger Mähder (wie im Artikel beschrieben). Geschosse flogen sogar bis Weisland und noch weit darüber hinaus.

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Das alte Weisland, vorne steht das Schulhaus.

Die Leute im Oberviertel lebten in dauernder Todesangst, jeder Schuss hätte auch das eigene Haus treffen können. Daher verließen die Menschen ihre Höfe. Die meisten suchten im Bloder Schutz und Sicherheit, man kann sich die Angst und das Gedränge in dem kleinen, halbverfallenen Gebäude vorstellen. Geschlafen wurde auf dem Boden.

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Das verfallene Blodergebäude fotografiert 1982.

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Das verfallene Blodergebäude fotografiert 2001.

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Teilansicht des Brennofens beim Blodergebäude, 2001.

Eine Familie („Buacher“) flüchtete in Richtung Lehnberg (im Bachtal, so weit der Fahrweg reichte), begleitet von einer deutschen Familie, die damals bereits ein Auto hatte. In dem Fahrzeug mussten die Kinder drei Tage lang ausharren. Andere suchten am „Kohlplatzl“ hinter dem Arzkasten Schutz.

Die Männer vom Oberviertel eilten zwischendurch (wohl unter Lebensgefahr) zurück in die Ställe, um das Vieh zu versorgen. Einige deutsche Soldaten wollten sich über den Marienberg nach Norden durchschlagen, doch sie wurden verhaftet.

Am 3. Mai dann gingen drei Männer mit der weißen Fahne von Holzleiten hinunter gegen Rossbach, den Amerikanern entgegen. Bald darauf waren Angst und Schrecken vorbei, denn die Amerikaner benahmen sich großteils korrekt.

Das waren traumatische Kindheitserlebnisse, die bis heute nachwirken. Es gibt eben Eindrücke, die Jahrzehnte zurückliegen und trotzdem stets präsent bleiben. Ruft man all die Szenen wieder ins Gedächtnis, laufen sie wie in einem schlechten Film vor einem ab – jedes scheinbar unbedeutende Detail.

Nochmals vielen Dank für die Erzählungen.

 

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