Chronik: Das Schulwesen

Ortschronist Hubert Stecher: Zum Schulwesen in Obsteig

Der erste namentlich genannte Obsteiger Lehrer war Thaddeus Riß. Er stammte aus Fiecht bei Untermieming und heiratete am 17.11.1772 Anna Thaler in Wald.
Weil es zur damaligen Zeit in Obsteig kein öffentliches Schullokal gab dürfte die Überlieferung schon stimmen, dass Riß den Unterricht in seiner Stube in Wald abhielt.
In der „Allgemeinen Schulordnung“ machte Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1774 die Schulbildung für alle Kinder ihrer Kronländer zur Pflicht. Die Schulzeit dauerte sechs Jahre und begann mit dem 6. Lebensjahr.
In den Dorfgemeinden mussten sogenannte „Trivialschulen“, in den Städten Hauptschulen und in den Landeshauptstädten Lehrerbildungsanstalten errichtet werden.
„Trivialschulen“ waren „Dreiwegschulen“, d.h., man lernte Lesen, Schreiben und Rechnen. Thaddeus Riß unterrichtete also in einer solchen.
Diesem Mann begegnen wir auch in den Schriften über den Kirchenbau sehr häufig, er war einer der Verantwortlichen dafür und führte auch bis 1792 die Kirchenrechnungen.
Mit der Einführung der Schulpflicht in Obsteig wurde auch gleich für das Oberviertel eine Schule eingerichtet, ihr Standort war Weisland.
Im Jahr 1786 wurde der Grundstein für das Pfarrhaus gelegt. Im Gebäude brachte man auch das öffentliche Schulzimmer für die Obsteiger Kinder unter, zu dessen Erhaltung sich die Gemeinde verpflichtete.
Der Lehrer hatte damals zweierlei Verdienstquellen:
Er unterrichtete die Schüler und besorgte das Mesner- und Organistensamt. Vom Lehrergehalt allein konnte er nicht leben. Darüber gibt uns ein Schriftverkehr Auskunft.
Die Gemeinde schreibt an das Kreisamt, dass man dem Lehrer unbedingt das zweite finanzielle Standbein zur Verfügung stellen müsse,denn um das wenige Geld für die Schule bekomme man kein „taugliches Subjekt für die Lehrjugend“
(9.April 1801, StA. Stams). Die Obsteiger Lehrer waren bis in das Jahr 1910 Mesner und teilweise Organisten.
In diesem Jahr kündigte der Schulleiter Alois Neuner diese Dienste auf und das Mesnersamt ging am 01.09.1910 an den Schneidermeister Alexander Scharmer über.
Der verdienteste Vertreter der alten Lehrergeneration war Franz Gaßler (Postmeisterhaus), der die drei Dienste über 61 Jahre ausübte (1833 bis 1894) und im Jahr 1908 92-jährig starb.
Über 100 Jahre lang war das Schulzimmer im Widum.
Im Jahr 1907 verkaufte der damalige Pfarrer Alberich Pixner das so genannte „Kirchenhaus“ um 5000 Kronen der Gemeinde.

Dieses Haus wurde später das „obere Schul haus“ genannt. Erbaut hat es Josef Gaßler (Postmeisterhaus) im Jahr 1809, „wo die Arbeit durch Abziehen der Arbeiter gegen den Feind öfters unterbrochen wurde“
(Pfarrer Friedrich Eder, 1868-1876). In ihm wohnten vorwiegend Hirn-Töchter aus der Burg Klamm und nach dem Tod der Anna-Theres erhielt es durch Vermächtnis die Pfarre (1864).
Diese vermietete es an Quartierleute (u.a. wohnte einige Zeit auch der Nordpolfahrer und Staatsförster Johann Haller mit seiner Familie hier). Im unteren Stock brachte die Gemeinde nun das Schulzimmer unter.
Gleich zwei Jahre später errichtete sie aber (im Jahr 1909) das neue „untere Schulhaus“ mit einer Klasse und einer Lehrerwohnung.

 

   Schulhauseinweihung 1909

Die Schülerzahlen waren schon seit längerem stark angestiegen (seit dem „Reichsvolksschulgesetz“ 1869 war die Schulpflicht nicht mehr über sechs, sondern über acht Jahre, was natürlich mehr Kinder bedeutete).
In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts mussten zwischen 48 und 58 Schüler in einer Klasse unterrichtet werden.
Erst im Schuljahr 1920/21 konnte erstmals eine zweite Klasse geführt werden, wobei die kleineren Kinder im oberen Schulhaus und die größeren im unteren zur Schule gingen.

Beide Häuser wurden nach dem Bau des jetzigen Schulgebäudes (1968) niedergerissen.